Mehr als 100.000 Euro Unterstützung, bevor die GmbH überhaupt steht - und ohne dafür Unternehmensanteile abzugeben? Für geeignete Teams ist das durchaus möglich.
Gerade Studierende, Absolvent:innen und Forschende haben in Deutschland Zugang zu Förderprogrammen, die viele Gründer:innen am Anfang gar nicht auf dem Radar haben. Gleichzeitig ist Förderung nicht automatisch die beste Lösung: Manchmal sind erste Umsätze sinnvoller, manchmal ein öffentliches Pre-Seed-Instrument und manchmal tatsächlich ein Business Angel oder VC.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur „Wo bekommen wir Geld?“, sondern: Was soll dieses Geld für unser Startup möglich machen?
exist: zwölf Monate, um aus einem Vorhaben ein technisch innovatives Startup zu machen
Das exist-Gründungsstipendium ist eines der wichtigsten Förderprogramme für Hochschulgründungen in Deutschland - und besonders interessant, weil das Unternehmen zu Beginn der Förderung noch nicht gegründet sein darf. Die Gründung kann anschließend während der zwölfmonatigen Förderphase erfolgen.
Gefördert werden Teams mit bis zu drei Personen. Aktuell erhalten Promovierte bis zu 3.000 Euro, Hochschulabsolvent:innen 2.500 Euro und Studierende 1.000 Euro monatlich. Für Teams kommen bis zu 30.000 Euro Sachmittel und 5.000 Euro Coachingbudget hinzu.
Für viele Hochschulteams verändert das die Ausgangslage erheblich: Statt mit einer sehr frühen Idee sofort eine Beteiligung abzugeben, können sie zunächst Substanz aufbauen und später neu entscheiden, welche Finanzierung als Nächstes sinnvoll ist.
exist Forschungstransfer: bei höherem Finanzierungsbedarf
Bei DeepTech, Hardware, Life Sciences oder anderen forschungsintensiven Gründungen sieht die Rechnung häufig völlig anders aus. Ein Proof of Concept kann Labore, Spezialpersonal, Geräte oder lange Entwicklungszeiten erfordern. Dafür gibt es exist Forschungstransfer.
In Phase I können unter anderem Personalkosten für bis zu vier Vollzeitstellen sowie in der Regel bis zu 250.000 Euro Sachausgaben gefördert werden. Die Förderung läuft normalerweise bis zu 18 Monate und kann bei besonders aufwendigen Entwicklungen verlängert werden. Ziel sind unter anderem Prototypen, praktische Technologie-Nachweise, Pilotprojekte, IP-Strategie und die Vorbereitung späterer Finanzierung. Nach der Gründung kann Phase II weitere Förderung ermöglichen.
Gerade hier zeigt sich, warum „erst MVP, dann Investor“ als pauschale Regel wenig sinnvoll ist. Forschungsintensive Startups brauchen teilweise früh erhebliches Kapital - öffentliche und private Finanzierung können deshalb auch parallel sinnvoll sein.
Junge Innovatoren: Förderung aus Baden-Württemberg
Mit Junge Innovatoren gibt es zusätzlich ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg für Hochschulgründungen.
Es richtet sich insbesondere an Absolvent:innen und wissenschaftliche Mitarbeitende, die beispielsweise eine Erfindung, entwickelte Software oder technologisches Know-how aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung wirtschaftlich nutzen möchten. Auch eine Unternehmensgründung während des Programms ist grundsätzlich möglich.
Start-up BW Pre-Seed: wenn das Unternehmen weiter ist
Start-up BW Pre-Seed setzt an einer anderen Stelle an. Während exist vor allem die Vorgründungsphase unterstützt, ist Pre-Seed eine Frühphasenfinanzierung für reifere Startups, die bereits ausgegründet sind. Typische Finanzierungsbedarfe liegen zwischen 50.000 und 200.000 Euro. Dabei werden Landesmittel mit einer Risikobeteiligung eines Co-Investors kombiniert.
Wichtig für die Bewerbung: Der Weg zu Start-up BW Pre-Seed führt über die anerkannten Pre-Seed-Partner des Landes. Sie sind die ersten Ansprechpartner für interessierte Startups, begleiten den Prozess und unterstützen unter anderem bei der Suche nach Co-Investoren. Zu diesem Netzwerk gehört auch der Sandbox Accelerator in Stuttgart, der als assoziierter Pre-Seed-Partner mit dem Finance Accelerator kooperiert, um insbesondere Software-Startups zu unterstützen. Ebenso fungieren das Startup Center Tübingen und das Center for Entrepreneurship Reutlingen als Start-up BW Pre-Seed Partner
Der Unterschied ist wichtig:
exist unterstützt den Weg zur Gründung. Start-up BW Pre-Seed finanziert ein junges Unternehmen auf dem nächsten Entwicklungsschritt.
Beides kann Teil derselben Startup-Reise sein – nur eben zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Förderung, Bootstrapping oder Investor?
Nicht jedes förderfähige Startup sollte zwangsläufig einen Förderantrag schreiben.
Ein kapitalarmes SaaS-Startup mit ersten zahlenden Kund:innen kann möglicherweise schneller über Umsatz wachsen. Ein Service-Unternehmen braucht eventuell überhaupt kein Venture Capital. Ein Biotech-Startup dagegen kann sehr früh spezialisierte Investor:innen benötigen, weil schon die nächsten technischen und regulatorischen Schritte viel Kapital verschlingen.
Deshalb ist die sinnvollste Finanzierungsstrategie selten ideologisch.
Nutze die Finanzierung, die deinen nächsten wichtigen Meilenstein am sinnvollsten ermöglicht.
Equity kann extrem wertvoll sein, wenn zusätzliches Kapital Geschwindigkeit, Marktöffnung oder Skalierung ermöglicht. Es muss nur nicht automatisch die erste Finanzierungsform sein. Das Hochschul-Netzwerk hinter Startup Klub kooperiert mit mehreren Investorenverbänden und kann bei passendem Fit gezielte Intros zu relevanten Investorinnen und Investoren herstellen.
Hochschulen haben bei Förderung einen echten Vorteil
Bei Programmen wie exist ist die Hochschule nicht nur ein Netzwerk im Hintergrund: Der Antrag läuft über eine Hochschule oder Forschungseinrichtung. Umso wichtiger ist es, je nach Vorhaben die passende Hochschule, die richtigen Professor:innen und erfahrene Begleiter zu finden.
Über den Startup Klub lassen sich dafür die Kompetenzen der beteiligten Startup Center bündeln. So verfügt etwa das HdM Startup Center über besondere Erfahrung bei software- und digitalorientierten Gründungen und unterstützt Teams unter anderem über spezialisierte exist-Fasttrack-Programme im Sandbox Accelerator. Mit zehn bewilligten exist-Gründungsstipendien gehörte die HdM 2025 zu den führenden Startup-Hochschulen Deutschlands.
Trotzdem passt nicht jedes Team zu exist. Je nach Vorhaben können auch Junge Innovatoren, Pre-Seed oder eine Finanzierung ohne Förderung sinnvoller sein. Ein früher Fördercheck hilft dabei, den passenden Weg zu finden.